Der Gartenbau des europäischen Mittelalters

Die Gartenwelt des mitteleuropäischen Adels war beseelt von Symbolik. Hier wurde der asiatische, der fernöstliche Gedanke der Religiosität in den christlichen Glauben implementiert, auch die Gärten des Mittelalters in Europa dienten schlossgarten-278407_640in erster Linie zur Ehre Gottes und eben seiner Schöpfung.

Man unterschied zwischen den Gärten als hortus moneus, ein schöner, lieblicher Garten für denn sinnlichen Anspruch und dem hortus conlusus – dem Rückzugsort, dem von der Welt abgeschlossenen, mit christlicher Symbolik bewehrten Garten.

Federführend im eigentlichen Sinne des Wortes war hier Albert Magnus mit seinem Werk über den idealen Lustgarten. Aber auch Bücher wie die „Hypnerotmachia Poliphilli“ des Francesco Colonna oder die „Des re aedeficatoria“ des Leon Battista Albertis beeinflussten das Zeitgeschehen im Gartenbau.

Schlossgarten en vogue

Sicherlich sind die Schlossgärten der Renaissance und des 15. und 16. Jahrhunderts Ausdruck der Auseinandersetzung mit dem Erbe der griechischen und römischen Kulturvorfahren, dem Kontakt mit den orientalischen Nachbarn, doch ist der wohl wichtigste Impuls im neuen Gartenbau des Mittelalters die Entdeckung der Seewege nach Indien und Amerika. Besondere Betrachtung verdient für diese Zeit der Überbegriff des Renaissancegartens.

Ein ungeahnter Luxus eröffnete sich mit dem Warenfluss aus den neuen Kontinenten. Im Zuge dieses Überschwanges fanden auch viele exotische Pflanzen, in der sogenannten „orientalischen Periode“ Tulpen, Narzissen und Hyazinthen aus Asien ihren Weg in die Gärten Europas. Im Renaissancegarten herrscht Symmetrie, Pflanzungen und Heckenwände wechseln sich mit Orangenhainen ab, es gibt Grotten, Teiche, das Element Wasser spielt in allen Formen, Kaskaden, Brunnen, Teiche, kleine Bäche, Brücken und Inseln, eine große Rolle.

Gerade in Italien entstanden viele dieser Anlagen, so das Chevalier Forti in Chiara bei Breciaa, der Palazzo Strozzi in der Nähe von Florenz, der Garten „Casa Ramboldi“ bei Vicenza, die Anlage des Fürsten Stigliano Collona in Neapel. In diesem Zusammenhang ist auch der berühmte Tulpencrash an der Börse zu erwähnen. Tulpenzwiebeln, im Jahre 1554 über Konstantinopel nach Wien geschmuggelt, eine Aktion des Habsburger Herrscherhauses, führten mit dem sogenannten „Tulpenwahn“ im Jahre 1610 bei einer hoffnungslos überteuerten Preisgestaltung für Tulpenzwiebeln, zu einer schließlich platzenden Spekulationsblase. Nicht wenige der Spekulanten verloren alles, was sie besaßen.